Interview mit der deutschen Botschafterin Ulrike Maria Knotz für Tageszeitung Dnevni avaz,
28.06.2013
1. In unserem Land zur Zeit gibt es einige grosse Polizeiaktionen und sogar Festnahmen von
offiziellen Politikern wegen Korruption, speziell in der Föderation BiH. Können Sie das
kommentieren?
Einzelne Fälle kann ich natürlich nicht kommentieren. Wichtig ist aber, dass in einem Rechtsstaat
niemand über der Justiz steht. Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte müssen ihre Arbeit ohne
politischen Druck, aber auch ohne eigene politische Agenda erledigen. Die internationale
Gemeinschaft beobachtet die Lage hier sehr aufmerksam.
2. Glauben Sie, dass zur Zeit in BiH, wenn wir ueber grosse Polizeiaktionen sprechen, etwas
Ähnliches passiert wie in Serbien oder Croatien?
Ähnlich wie in Serbien und Kroatien gibt es auch hier in Bosnien und Herzegowina viele Vertreter
von Justiz und Polizei, die es mit dem Kampf gegen Korruption und Amtsmissbrauch ernst meinen
und die versuchen, ihre Arbeit gewissenhaft und unabhängig auszuführen und damit das Land
insgesamt voranzubringen. Um diesen Menschen den Rücken zu stärken – auch gegen Druck aus
den eigenen Reihen und politische Einflussnahmen – ist eine aufmerksame Zivilgesellschaft
besonders wichtig. Nichtregierungsorganisationen, die Fehlentwicklungen öffentlich anprangern,
leisten einen wichtigen Beitrag zur Stärkung eines glaubwürdigen Rechtsstaats.
3. Ihrer Meinung nach, kann man darüber sprechen, dass sich momentan ein positives Umfeld
in BiH schafft für EU-Implementierung der Kapitel 23. und 24.?
Die Kapitel 23 (Justiz) und 24 (Sicherheit) sind in der Tat von überragender Bedeutung für den EUBeitrittsprozeß. Persönlich denke ich, daß man die Bedeutung des Rechtsstaates für die Entwicklung
eines Landes gar nicht überschätzen kann. Wenn Menschen das Gefühl haben, daß es in ihrem Land
ungerecht zugeht, daß das Recht nicht in gleicher Weise für alle gilt und daß es für den normalen
Bürger schwierig ist, zu seinem Recht zu kommen, schafft dies ein Klima von Unmut und
Pessimismus. Es behindert auch die wirtschaftliche Entwicklung, denn für Unternehmen ist
Rechssicherheit ist ein Schlüsselfaktor bei der Entscheidung über Investitionen.
Bei allen EU-Beitrittsverhandlungen der letzten Jahre hat sich gezeigt, daß in den Kapiteln 23 und
24 Stolpersteine liegen, die nur mühsam zu beseitigen sind. Bosnien und Herzegowina hat aus
bekannten Gründen leider noch nicht den Status eines EU-Beitrittskandidaten, und wir können nicht
davon ausgehen, daß es in absehbarer Zeit zur Eröffnung von Beitrittsverhandlungen kommt.
Jedoch führt die EU-Kommission bereits seit zwei Jahren mit Vertretern der hiesigen
Justizinstititionen einen sog. „strukturierten Justizdialog“; allein hieran sehen Sie schon die
überragende Bedeutung der Rechtsstaatlichkeit für die Beitrittsperspektive. Auch Deutschland
unterstützt seit vielen Jahren Bosnien und Herzegowina beim Aufbau des Rechtsstaats, u.a. haben
wir Staatsgerichtshof und Generalstaatsanwaltschaft in den letzten zehn Jahren mit insgesamt 4,3
Mio EUR gefördert. Es gibt außerdem eine intensive Zusammenarbeit mit den hiesigen
Polizeidienststellen, über die sich unsere deutschen Polizei-Verbindungsbeamten immer wieder sehr
zufrieden äußern.
4. Wie beurteilen Sie den Stillstand bezüglich der Erfüllung der Bedingungen der EU, konkret
die Implementierung des Urteils im Fall "Sejdic - Finci"?
Es ist sehr bedauerlich, dass es den hiesigen verantwortlichen Politikern nach so langer Zeit und
trotz intensiven und hochrangigen Engagements von Seiten der EU immer noch nicht gelungen ist,
das Sejdic-Finci Urteil umzusetzen. Ich hoffe, daß in dieses Dossier bald wieder Bewegung kommt,
denn ohne Umsetzung des Urteils wird es keinen Fortschritt auf dem Weg zur EU geben. Es wäre
gefährlich, wenn man sich in Bosnien und Herzegowina jetzt im Stillstand einrichten würde. Die
Länder der Region bewegen sich auf die EU zu, und Stillstand bedeutet Rückschritt. Gefordert sind
von allen Beteiligten: Kreativität, Pragmatismus, guter Wille und die Bereitschaft, das eigene
parteipolitische Interesse zugunsten des Allgemeinwohls zurückzustellen. Die Tür zu Europa steht
weiterhin offen!
5. Kommen wir, ihrer Meinung nach, in Gefahr, dass die Wahlen im nächsten Jahr nicht
anerkannt werden? Können wir erneut Hilfe von der EU erwarten?
Hierzu gibt es keinen Beschluß der EU. Tatsache ist jedoch, daß ohne die Umsetzung des Urteils
Sejdic-Finci die Verfassung von Bosnien und Herzegowina der Europäischen
Menschenrechtskonvention widerspricht und dadurch die Frage der Legitimität des Wahlergebnisses
aufgeworfen werden kann. Bürger, die keinem der drei konstituierenden Völker angehören, müssen
ohne Diskriminierung am politische Prozess teilnehmen können, darum geht es bei der Umsetzung
des Urteils Sejdic-Finci.
6. Wie beurteilen Sie den Zufluss der deutschen Investitionen in BiH. Haben wir Gründe fü r
Optimismus? Wenn nicht, weshalb?
Deutschland und Bosnien und Herzegowina sind wirtschaftlich eng verbunden: Deutschland ist
zweitwichtigster Handelspartner, wichtigstes Abnehmerland für hier produzierte Waren und mit
bedeutenden privaten Investitionen vertreten.
Es könnte natürlich noch mehr deutsche Investitionen geben. Bosnien und Herzegowina ist ja kein
armes Land; es hat ein beachtliches Wirtschaftspotential: Rohstoffe, ungenutzte Energiereserven,
eine interessante verkehrsstrategische Lage und vor allem gut ausgebildete und fleißige
Arbeitskräfte. Dieses Potential könnte noch viel besser genutzt werden, als dies bisher der Fall ist.
Die Politik ist aufgerufen, die Rahmenbedingungen für Investoren freundlicher zu gestalten, für
Verbesserung z.B. bei den oft schwerfälligen und intransparenten administrativen Abläufen oder bei
der Rechtssicherheit zu sorgen. Ich bin auch sicher, daß deutliche Fortschritte des Landes auf dem
Weg zu EU und NATO das Interesse und das Vertrauen potentieller Investoren in den Standort
Bosnien und Herzegowina stärken werden.
Trotz alledem: es finden immer wieder deutsche Unternehmen den Weg nach Bosnien und
Herzgeowina. Allein in den letzten Wochen konnten wir uns über eine Reihe von neuen
Investitionen freuen, z.B. die neuen Produktionswerke der Firmen Henkel, IMEX, Mühlbauer und
Caparol oder die Eröffnung von Vertriebsstätten wie Deichmann und Bauhaus. Das sind alles
wichtige Signale für andere potentielle Investoren, denn Unternehmer verlassen sich weniger auf
das, was ihnen Politiker oder Diplomaten sagen, sondern interessieren sich vor allem für die
Erfahrungen, die ihre Kollegen machen. Und die müssen einfach gut sein.
Intervju sa njemačkom ambasadoricom Ulrike Maria Knotz za Dnevni avaz, 28.06.2013.
1. U našoj zemlji na sceni su velike akcije hapšenja zvaničnika zbog korupcije, konkretno u
FBiH. Kako to komentirate?
Pojedinačne slučajeve naravno ne mogu komentarisati. Međutim, važno je da u jednoj pravnoj
državi niko ne stoji iznad pravosuđa. Policija, tužilaštvo i sudovi svoj posao moraju obavljati bez
političkog pritiska, ali i bez vlastite političke agende. Međunarodna zajednica sa velikom pažnjom
prati situaciju ovdje.
2. Čini li vam se da BiH, kada su u pitanju akcije pravosudnih i policijskih organa, dešava
nešto slično u kao u Hrvatskoj, pa i u Srbiji?
Slično kao u Srbiji i Hrvatskoj i u Bosni i Hercegovini ima predstavnika pravosuđa i policije koji
imaju ozbiljne namjere u pogledu borbe protiv korupcije i zloupotrebe službenog položaja i koji
pokušavaju obavljati svoj posao savjesno i neovisno i time generalno povesti zemlju naprijed. Kako
bi se ovim ljudima dala podrška – takođe i protiv pritiska iz sopstvenih redova i političkog uticaja –
je posebno važno budno civilno društvo.
Nevladine organizacije koje javno kritikuju pogrešan razvoj, pružaju važan doprinos u jačanju
vjerodostojne pravne države.
3. Da li se, po vašem mišljenju sada stvara ambijent i u našoj zemlji za provođenje poglavlja
23. i 24. pravne stečevine Evropske unije?
Poglavlja 23. (Pravosuđe) i 24. (Sigurnost) su zaista od presudnog značaja za proces pristupanja
Evropskoj uniji. Lično mislim da se uopšte ne može precijeniti značaj pravne države za razvoj jedne
zemlje. Ako ljudi imaju osjećaj da u njihovoj zemlji ima nepravde, da se pravo ne primjenjuje isto
na sve i da je običnom građaninu teško da ostvari svoje pravo, to stvara atmosferu nezadovoljstva i
pesimizma. Isto tako to koči privredni razvoj, jer je pravna sigurnost ključni faktor za firme
prilikom donošenja odluke o ulaganju.
U svim pregovorima o pristupanju EU u posljednjih nekoliko godina se pokazalo da se u
poglavljima 23. i 24. nalaze kameni spoticanja, koji se samo uz veliki napor mogu otkloniti. Bosna i
Hercegovina, iz poznatih razloga, nažalost još uvijek nema kandidatski status za EU i ne možemo
poći od činjenice da će u dogledno vrijeme doći do otvaranja pregovora o pristupanju. Međutim,
EU-komisija sa predstavnicima lokalnih pravosudnih institucija zadnje dvije godine vodi takozvani
«strukturalni dijalog o reformi pravosuđa» samim tim već vidite koliki je značaj vladavine prava za
perspektivu o pristupanju. Njemačka takođe dugi niz godina podržava Bosnu i Hercegovinu u
izgradnji pravne države, između ostalog mi smo u zadnjih deset godina iznosom od 4,3 miliona €
podržali Sud BiH i Tužilaštvo BiH. Pored toga, postoji veoma uska saradnja sa domaćim
policijskim upravama sa kojom su naši njemački policijski oficiri za vezu veoma zadovoljni.
4. Kako komentirate zastoj BiH na njenom evropskom putu, odnosno neispunjavanju
ključnog uvjeta a to je rješenje za presudu "Sejdić - Finci"?
Jako je tužno da domaćim odgovornim političkim liderima nakon tako dugo vremena i unatoč
intenzivnom angažmanu i od strane osoba na visokom položaju unutar EU još uvijek nije uspjelo da
implementiraju presudu Sejdić-Finci. Nadam se da će uskoro doći do pomaka u ovom dosjeu, jer
bez sprovođenja presude neće biti nikakvog napretka na putu ka EU. Bilo bi opasno, ako bi se sada
u Bosni i Hercegovini pomirili sa stanjem mirovanja. Zemlje regiona se kreću prema EU, a zastoj
znači pomak unatrag. Od svih sudionika se traži: kreativnost, pragmatizam, dobra volja i spremnost
da se vlastiti partijsko-politički interes potisne u korist sveopšte dobrobiti. Vrata Evrope su i dalje
otvorena!
5. Da li BiH zbog neispunjavanja ovog uvjeta prijeti nepriznavanje narednih općih izbora?
Možemo li očekivati neki dodatni impuls EU kod riješavanja ovog pitanja.
S tim u vezi ne postoji odluka EU. Međutim, činjenica je da bez implementacije presude SejdićFinci Ustav Bosne i Hercegovine nije u skladu sa Evropskom konvencijom o ljudskim pravima i
stoga se može pokrenuti pitanje legitimnosti izbornih rezultata. Građanima, koji nisu pripadnici ni
jednog od tri konstitutivna naroda mora biti omogućeno da bez diskriminacije mogu sudjelovati u
političkim procesima, upravo se o tome radi kod sprovođenja presude Sejdić-Finci.
6. Kako biste ocijenili priliv njemačkih investicija u BiH u momentu? Imamo li razloga za
optimizam? Šta je potrebno poduzeti?
Njemačka i Bosna i Hercegovina su ekonomski usko povezane: Njemačka je drugi najvažniji
trgovački partner, najvažniji kupac robe proizvedene ovdje i zastupljena sa značajnim privatnim
ulaganjima.
Naravano da bi moglo biti još više njemačkih investicija. Bosna i Hercegovina nije siromašna
zemlja; ona ima ekonomski potencijal vrijedan pažnje; sirovine; neiskorištene energetske rezerve,
zanimljiv saobraćajno-strateški položaj i prije svega kvalitetno obrazovanu i vrijednu radnu snagu.
Taj potencijal bi se mogao mnogo bolje iskoristiti nego što je to slučaj do sada. Politika je pozvana
da osigura pristupačne okvirne uslove za ulaganje kako bi se poboljšali primjera radi složeni i
netransparentni administrativni tokovi ili osigurala pravna sigurnost. Takođe sam sigurna da će
značajan napredak zemlje na putu u EU i NATO ojačati interes i povjerenje potencijalnih ulagača u
destinaciju Bosnu i Hercegovinu.
Unatoč svemu: njemačke firme uvijek nađu način da dođu do Bosne i Hercegovine. Samo u zadnjih
nekoliko nedelja obradovali smo se čitavom nizu novih investicija. Kao primjer navest ću nove
proizvodne pogone firme Henkel, IMEX, Mühlbauer i Caparol ili otvaranje prodajnih mjesta kao
što su Deichmann i Bauhaus. Sve su to važni signali drugim potencijalnim ulagačima, jer se
poduzetnici manje oslanjaju na ono što im kažu političari ili diplomate, njima su prije svega važna
iskustva njihovih kolega. A ona jednostavno moraju biti dobra.
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